geschrieben von Antoinette Sigrist, EFK Mitglied
In alten Zeiten vergnügte sich des öfteren allerley Wybervolch, das nyd ganz ghür erschynet zu nächtlicher Stunde auf dem Gebiet der Vorder-Emmenweid. Gar manches Mal trieb dieses wüste Gschehnys dem Lieben Herrgott Tränen in die Augen, was öppendyn zu Überschwemmungen führte auf besagtem Gebiete.
Als Anfang des 20. Jahrhunderts just an dieser Stelle ein jahrzehntelang andauernder Fabrikbau ihren Anfang nahm, hörte man immer wieder munkeln von gspässigem Geräusche und schröcklichem Begebe des nachts. Besonders gefürchtet war jeweils die Nacht vom 1. Mai, die Walpurgisnacht. Da sei es ganz besonders gruusig hergangen.
Nichtsdestotrotz entwickelte sich die Viscose prächtig; ihr Einfluss auf die Entwicklung der Gemeinde Emmen zum weit über die Landesgrenzen hinaus bekannten Industriestandort war nicht zu bremsen.
Doch Heute wie Gestern gab es immer mal wieder Krisenjahre. Als im November 1918 ein landesweiter Generalstreik ausgerufen wurde, war auch die Viscose nicht gefeit vor diesem Geschehen; obwohl es nur einige wenige Streikwillige gab, so versuchten gerade diese, ihre Mitarbeiter von der Arbeit abzuhalten.
Zu dieser Zeit arbeitete auch eine junge Frau in den Hallen der Viscose. Sie fürchtete, durch die möglichen Folgen des Streikes ihren Arbeitsplatz zu verlieren, auf den sie unbedingt angewiesen war. Als in der Nacht vom 11. auf den 12. November die Geschehnisse aus dem Ruder zu laufen drohten, nahm die junge Frau ihren ganzen Mut zusammen, begab sich nackig in die eisigen Wasser der Emme und beschwor den Beistand des Wybervolchs zur Emmenweid, denn sie erinnerte sich an urähnige Erzählungen, dass just an diesem Tage, dem 11.11. die Welten hier wie drüben einander durchlässiger waren und jeder mutigen Seele ein Wunsch erfüllet sey. Und wirklich, am 14. November wurde der Streik für beendet erklärt und die Frau brauchte nicht weiter um Job und Lohn zu bangen.
Noch einmal wurde das Wybervolch zur Emmenweid, dem wir heute in der Figur des Ämmalis gedenken, um Hülfe gebeten von eben dieser mutigen Frau, in der Zeit nämlich nach 1930, als die damalige Wirtschaftskrise den bis dahin florierenden Betrieb, welcher der Gemeinde einen wahren Geldsegen bescherte, massiv bedrohte. Lohnabbau und Entlassungen waren Folgen davon. Wiederum ist es der Intervention dieser mutigen Frau zu verdanken, dass der Betrieb nach 1936 wieder florierte.
Wer aber war diese Frau? Und weshalb kümmerte sich das Wybervolch zur Emmenweid um deren Ansinnen? Es gibt kaum je vernommene Gerüchte, es handle sich bei dieser Frau um eine medial begabte Frau, die den Zugang zu ihren Vorfahrinnen, dem als Hexen verurteilten und im Galgenwald hingerichteten Wybervolch, nie verloren hatte; Zuspruch fand sie von deren Seite, weil die Walpurgisnacht auf den 1. Mai fällt, dem Tag der Arbeit, was wohl nicht zufällig so sein mag… Wie dem auch sei: Lange Zeit standen die vor über 100 Jahren erbauten Gebäude der ehemaligen Visose leer, diese wunderschönen Bauten aus rotem Sichtmauerwerk mit dem markanten Trafoturm. Von Zeit zu Zeit aber wurde berichtet von ausgelassenen wilden Feiern, die dort vom Wybervolch zur Emmenweid abgehalten würden. Dieses Gemunkel mag mitschuldig sein, dass findige Geister die Idee des Festens in diesen Gemäuern aufgenommen haben. So erweckten die Gebrüder Garn – welch glückliche Fügung des Schicksals – man höre: die Gebrüder GARN ! – die ehemaligen Viscosegemäuer zu neuem Leben mit der Eröffnung der Viscose Bar und der Viscose Eventhalle.
Dem Wybervolch zur Emmenweid sei gedankt für diese Inspiration!